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2024-08-17 09:31:35
Die Zahlen sind riesig, die Gespräche entsprechend so intensiv wie geheim. Bis Mitte September reicht das Geld noch, um den Betrieb der Meyer Werft aufrecht zu erhalten. Bis dann müssen 3 Milliarden Euro aufgetrieben werden. So groß ist mittlerweile die Finanzierungslücke des Traditionsunternehmens, und das, obwohl Meyer in den letzten Wochen gleich mehrere Großaufträge gemeldet hat. Weil es in der Branche aber üblich ist, dass die Kunden – große Konzerne wie Disney oder Carnival – nur 20 Prozent des Gesamtpreises anzahlen, macht sich jetzt die Zeit der Auftragsflaute in der Corona-Pandemie schmerzhaft bemerkbar: zwar gibt es neue Aufträge, aber wenige Schiffe, die bald fertig sind.
Jetzt zeichnet sich in Umrissen ab, wie die Lösung aussehen könnte. Im Zuge der ohnehin laufenden Restrukturierung, die der im Frühjahr engagierte Sanierer Ralf Schmitz verantwortet, ist schon erreicht worden, das die Meyer Werft ihren Sitz aus Luxemburg nach Deutschland zurückverlagert. Im Zuge dessen wurde Meyer Deutschland gegründet. Zu diesem Unternehmen gehört neben dem Stammhaus in Papenburg auch die Neptun-Werft in Rostock – was an der Ostsee erst einmal Irritationen ausgelöst hat. In dieser Werft gibt es nämlich nicht solche Finanzierungslücken wie im Stammhaus in Papenburg. Nun fürchten manche, in den Strudel der Meyer-Krise gerissen zu werden.
Aus Sicht der beteiligten Banken stellt sich die Lage genau umgekehrt dar: auf diese Weise ist eine breitere Basis für die Finanzierung geschaffen. Mit 400 Millionen Euro Eigenkapital für diese Gesellschaft wären die 2,6 Milliarden Euro Kredite darstellbar, die zur Finanzierung des Werftbetriebs in den nächsten Jahren nötig sind.
Der Patriarch fürchtet die „Enteignung“
Von der Familie Meyer ist kein zusätzliches Geld zu erwarten, hieß es in den vergangenen Monaten. Und weil auch kein Investor in Sicht ist, wurde darüber diskutiert, dass die 400 Millionen Euro vom Land Niedersachsen und vom Bund aufgebracht werden könnten. Von „Enteignung“ soll Patriarch Bernard Meyer deshalb bei einer Betriebsversammlung vergangene Woche angeblich gesprochen haben. Der 76 Jahre alte Unternehmer, der bis zum vorigen Jahr Chef der Werftengruppe war, fürchtet anscheinend um den Einfluss der Familie auf das 229 Jahre alte Unternehmen.
Einen Totalverlust hat die Familie nun aber abgewendet, so jedenfalls der aktuelle Stand der Verhandlungen nach Informationen der F.A.Z.: Einen Anteil von 10 bis 20 Prozent, allerhöchstens knapp 25 Prozent am Eigenkapital soll Meyer behalten können, selbst wenn der Staat mit 400 Millionen Euro einsteigt. Außerdem soll die Familie ein Rückkaufrecht bekommen oder selbst einen Investor vorschlagen dürfen.
Und auch von den wesentlichen Informationen müsste die bisherige Eigentümer-Familie nicht abgeschnitten sein: ein Sitz im Aufsichtsrat soll schon zugesagt worden sein. Wie hoch der Anteil der Meyers tatsächlich sein könnte, ist allerdings noch nicht geklärt. Die Berechnung hängt von vielen Faktoren ab – von den Konditionen der jüngst abgeschlossenen Aufträge bis hin zur Frage, unter welchen Umständen die Werften künftig Synergien realisieren können, etwa auch mit der dritten Werft der Familie Meyer im finnischen Turku.
400 Millionen Euro von Bund und Land
Jenseits dieser Detailverhandlungen scheint es in der Politik einen Grundkonsens zu geben, dass der Bund sowie das Land Niedersachsen jeweils die Hälfte der 400 Millionen Euro Eigenkapital aufbringen sollten. Zudem würde der Staat den finanzierenden Banken und Versicherungen Bürgschaften und Haftungsfreistellungen für die notwendigen Kredite bis zu 2,6 Milliarden Euro gewähren. Um zusätzliche Haushaltsposten müsste dabei nicht gerungen werden, heißt es hinter den Kulissen. Der Betrag könnte offenbar über die KfW oder andere Institutionen zur Verfügung gestellt werden.
„Das wird noch große politische Diskussionen geben“, lautet zwar die Einschätzung eines Insiders. Denn absehbar ist, dass es zumindest unter den Liberalen einige Vorbehalte gegen die erhebliche staatliche Stützung eines Familienunternehmens geben könnte. Andererseits gibt es Stimmen, die von einer „breiten parlamentarischen Unterstützung“ sprechen, die erzielt werden solle und könne. Auch in der CDU (die nicht nur im Bund, sondern auch in Niedersachsen in der Opposition ist) gebe es Befürworter für eine staatliche Rettung der Meyer Werft. Die Haushaltsausschüsse von Bund und Land müssten jedenfalls zustimmen. Auch beihilferechtlich müsste die Sache noch geklärt werden.
Politisch geht es darum, in der strukturschwachen Region Emsland den größten industriellen Arbeitgeber mit rund 3000 Arbeitsplätzen zu retten. Gleichzeitig ist die ebenfalls zu Meyer gehörende Neptun-Werft in Rostock nicht nur als Wirtschaftsfaktor an der Ostseeküste relevant. Sie soll in den nächsten Jahren eine wichtige Funktion für die Energiewende wahrnehmen: Auf der Neptun-Werft sollen in Kooperation mit dem belgischen Stahlbauunternehmen Smulders Konverterplattformen gebaut werden, die nötig sind, um den durch Offshore-Windparks erzeugten Strom an Land zu bringen.
#マイヤー家が造船所を救える方法