日本語版
最新ニュース
企業

ドイツにとって再生法が意味するもの

Dass der Thymian-Ameisenbläuling, ein kleiner Schmetterling, europapolitische Bedeutung erlangt, hat mit einem Verhalten zu tun, das gar nicht zu seiner bläulich-schimmernden Anmut passen will: Als Raupe nistet er sich in Ameisennestern ein, wo er die Brut verspeist. Noch…

ドイツにとって再生法が意味するもの

1719115491
2024-06-22 08:51:09

Dass der Thymian-Ameisenbläuling, ein kleiner Schmetterling, europapolitische Bedeutung erlangt, hat mit einem Verhalten zu tun, das gar nicht zu seiner bläulich-schimmernden Anmut passen will: Als Raupe nistet er sich in Ameisennestern ein, wo er die Brut verspeist. Noch dazu ist er bei der Eiablage wählerisch und bevorzugt einen speziellen Thymian. Diese Eigenheiten machen ihn zu einer aussagekräftigen Art, was den ökologischen Zustand eines Lebensraums betrifft: Wo er sich wohlfühlt, finden auch andere seltene Insekten- und Pflanzenarten gute Bedingungen.

Unter anderem am Vorkommen des Thymian-Ameisenbläulings wird in Zukunft gemessen werden, ob Deutschland erfüllt, wozu das nun doch noch verabschiedete Renaturierungsgesetz jeden Mitgliedstaat der EU verpflichtet: bis 2030 Maßnahmen in Gang zu bringen, die dazu führen, dass 30 Prozent der Ökosysteme – was 20 Prozent der Fläche der EU entspricht – wieder in einen guten Zustand versetzt werden. Bis 2040 müssen 60 Prozent der Ökosysteme ins Auge gefasst sein, bis 2050 dann 90 Prozent.

Es geht nicht nur um weitere Schutzgebiete

Die Aufregung um das Gesetz, die es fast hat scheitern lassen, hat vermutlich auch mit seiner Bezeichnung zu tun: Renaturierungsgesetz oder auch: Verordnung zur Wiederherstellung der Natur, „Nature Restoration Law“. Es klingt nach Rückeroberung eines Raums, den zuvor der Mensch genutzt hat. Dabei geht es eben gerade nicht nur darum, Schutzgebiete zu schaffen, sondern um etwas, das als die noch größere Herausforderung scheint: Natur so zu nutzen, dass ihr nicht die Fähigkeit abhandenkommt, bereitzustellen, was auch der Mensch zum Leben braucht – Luft, Wasser, Nahrung.

Da kommt der Thymian-Ameisenbläuling wieder ins Spiel. Und Kohlenstoff im Boden, Totholz im Wald, Vögel auf Äckern – alles Faktoren, deren Vorhandensein beziehungsweise Fehlen etwas aussagt über den Zustand der Lebensräume Wald, Grünland, Acker und die das neue Gesetz aufführt als Indikatoren für das Erreichen der Renaturierungsziele.

Schon ist von Enteignung die Rede

Deutschland steht nun wie alle EU-Länder vor der Aufgabe, einen nationalen Wiederherstellungsplan zu entwickeln. Zwei Jahre ist Zeit, um festzulegen, mit welchen Maßnahmen man seinen Beitrag zu den Zielen leisten will. Im Bundesumweltministerium wird betont, dass dies ein partizipativer Prozess wird, unter Beteiligung aller, deren Interessen berührt werden: Land- und Waldbesitzer, die Bundesländer. Die nicht immer von Fakten gespeiste Skepsis der Landwirte dauert an, in den sozialen Netzwerken ist von Enteignung die Rede und davon, dass man als Bauer jetzt auch noch Schmetterlinge zählen müsse. Was nicht stimmt.

Ohnehin müssen sich in der ersten Umsetzungsphase des Gesetzes die meisten Landwirte nicht angesprochen fühlen. Da geht es vor allem um die sogenannten Natura-2000-Gebiete, ein Netz ökologisch wertvoller, auch landwirtschaftlich genutzter Gebiete, die jetzt schon einen Schutzstatus haben und gut 15 Prozent der terrestrischen und 45 Prozent der marinen Fläche Deutschlands ausmachen. In vielen Aspekten ist das Renaturierungsgesetz kein neuer Wurf, sondern eine Handhabe, um durchzusetzen, was oft Vorsatz blieb.

Deutschland hat den Schutz der Natur auch vorher schon ambitioniert geplant, aber wenig ambitioniert verfolgt. 70 Prozent der Flora-Fauna-Habitat-Gebiete, die zusammen mit Vogelschutzgebieten das Natura-2000-Netz bilden, sind in einem schlechten Zustand, bei Grünland, also Weideflächen und Wiesen, sogar 90 Prozent.

Nun schon explizit gemeint sind Bauern, die Landwirtschaft auf entwässerten Mooren betreiben. Moore zu renaturieren bedeutet, einen Zustand, der mehrere Jahrhunderte lang als erstrebenswert galt, zu ändern und die Torfböden, die trockengelegt zu massiven CO2-Emittenten werden, wieder in wassergesättigte Flächen zu verwandeln. Hier hat Deutschland mit dem Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz (ANK), das Ökosysteme resilienter gegen den Klimawandel und zu effektiveren CO2-Speichern machen soll, schon Weichen gestellt, die auch für das Renaturierungsgesetz nötig werden.

Das derzeit mit stattlichen 3,5 Milliarden Euro versehene ANK enthält auch die ökonomischen Anreize, die es generell braucht, damit Landwirte auf naturverträglicheres Wirtschaften umstellen. Bei Mooren ist allerdings eine große Veränderungsbereitschaft nötig: Nicht nur muss sich ein Bauer mit der Vorstellung anfreunden, auf nassem Boden zu arbeiten, er muss sich auch Wertschöpfungsketten anvertrauen, die sich erst etablieren – etwa dass Schilf und Rohrkolben zu Dämmstoff werden.

Mehr Natur ins Urbane

Die ebenfalls bereits gestarteten ANK-Förderprogramme für den Umbau von Wäldern und die Begrünung von Städten decken sich auch mit den Zielen der Wiederherstellungsverordnung. Mehr Natur ins Urbane zu bringen dürfte das am einfachsten zu erfüllende Ziel sein. Schon jetzt konzentriert sich dort reichlich Biodiversität, und von mehr Bäumen im Stadtraum muss man kaum jemanden erst überzeugen. Der für das ANK zuständige Fachmann im Umweltministerium berichtet von einer enormen Nachfrage der Kommunen.

Dass das Renaturierungsgesetz seit Langem die erste Pro-Natur-Nachricht aus Brüssel ist, während andere Maßnahmen zurückgenommen wurden – weniger Pestizide oder die Ackerflächen-Herausnahme –, macht die Zielerfüllung nicht leichter. In Fahrt kommen kann es erst, wenn die Gemeinsame Agrarpolitik der EU auch auf mehr Naturschutz ausgerichtet ist – und Landwirte dafür bezahlt werden, dass sie die Natur schützen.

#ドイツにとって再生法が意味するもの

執筆者について: nipponese

Nipponese News編集部は、国内外のニュースを日本語で分かりやすくお届けします。