1723531534
2024-08-13 05:26:43
Der Uckermark stehen goldene Zeiten bevor, oder besser: lilafarbene. Lavendel wird für diesen Teil Brandenburgs nun zum „Touristenmagnet“, prophezeiten die Tagesthemen jüngst.
Sie haben richtig gelesen: Die Uckermark hat es in eine der wichtigsten Nachrichtensendungen geschafft, sogar ohne die Hilfe von Angela Merkel.
Deren Heimatregion liegt nördlich von Berlin und wird ironiefrei Toskana des Nordens genannt. Zwar gibt es hier weder Weinberge noch lebensfrohe Bäuerinnen, die Torta della Nonna backen. Dafür Deutsche Vita mit 1A Badeseen und Brandenburger Herzlichkeit.
Einen Schritt Richtung Massentourismus wagt jetzt ein visionärer Bauer. Er pflanzt Lavendel an, zum Pflücken und auch für Lavendel-Schnaps, mit dem Ziel, Touristen anzulocken, wie die Tagesthemen zeigen. Die Uckermark erfindet sich neu als Provence des Nordens.
Lavandula angustifolia liebt eigentlich Hitze, Sonne und karge Böden. In Südeuropa leiden die Sträucher unter Schädlingen und Dürren. Dank des Klimawandels fühlen sie sich nun in Brandenburg wohl. Der Bauer in lila T-Shirt an seinem lila Stand behauptet gar, nordischer Lavendel sei „leistungsfähiger“ als der in Südfrankreich. Er habe im kalten Klima mehr Zeit, ätherische Öle zu bilden, und dufte intensiver.
Als Beleg für diese These kann man die Senioren-Reisegruppe aus Berlin werten, die mit Rollatoren und Sonnenhüten durch die lila Reihen schlendert. Sie seien dem „südlichen Duft des Nordens gefolgt“, heißt es in den Tagesthemen. Hier gibt es zwar erst drei Felder, es dauert also noch, bis die Uckermark die Provence mit 62.000 Hektar Lavendel endgültig abgelöst hat. Doch eine Besucherin verkündet schon jetzt: „Wir fahren nicht mehr in die Provence!“ Ihre Gefühle teilen die echten Uckermärker nicht: Sie „fremdeln“ mit dem heimischen Lavendel und kommen nicht zum Schnüffeln vorbei.
Lavendel ist die ideale Balkonpflanze
Mit dieser Aversion sind sie nicht allein: Auch Wespen hassen Lavendelduft, er ist ihnen zu intensiv. Das macht Lavendel zur idealen Balkonpflanze. In diesen Tagen steht der Rückschnitt an, mahnen Gartenmagazine, damit der Lavendel diesen Sommer noch mal blüht. Die scheinbar vertrockneten Blüten solle man aufbewahren, sie enthalten viele ätherische Öle. Der Lavendelduft entsteht durch flüchtige Aromastoffe wie das Terpen Linalool. Auf Menschen wirkt es beruhigend. Es hemmt im Zentralen Nervensystem GABA-Rezeptoren, was Emotionszentren dämpft.
Ein weiterer Sommerduft wurde diese Woche entschlüsselt, den Frankfurter mittlerweile gut kennen: Geosmin. Hessen avanciert mit täglichen Regenstürzen derzeit zum Amazonas des Nordens. Die flüchtige Verbindung Geosmin sorgt für den typischen Geruch, wenn Regen auf trockene Erde fällt. So riecht der Sommerregen. Mit einem einzigen Rezeptor, OR11A1, können wir das erdig-muffige Geosmin wahrnehmen, wie Wissenschaftler vom Münchner Leibniz-Institut herausfanden. Produziert wird es von Mikroorganismen im Boden.
Fruchtfliegen meiden Geosmin wie der Uckermärker den Lavendel. Es warne sie vor verdorbener Nahrung, berichten die Forscher. Das beunruhigt einen dann doch etwas: Wie giftig müssen Mikroorganismen sein, die sogar Fruchtfliegen vergraulen, deren Leibspeise Biomüll ist?
Keine Sorge: Auf Kamele, mit denen wir sicherlich näher verwandt sind, wirkt Geosmin regelrecht betörend. Der Geruch lockt sie in wasserreiche Gebiete. Wenn Kamele Geosmin riechen, stapfen sie los.
Ob ein ähnlicher Effekt für Lavendel beim Menschen bestehen könnte, wurde wissenschaftlich noch nicht untersucht. Vermutlich sind die Uckermärker Bauern da aber schon dran. Der Lavendel-Schnaps ist ein Anfang.
#夏の雨とラベンダーの香りが生まれます