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2024-11-18 19:59:00
Jetzt kaufen, später bezahlen. Das hört sich vielversprechend an. Aber immer mehr Menschen verschulden sich durch Onlineshopping. Das zeigen Ergebnisse der Überschuldungsstatistik, in die fast 595.000 Personen einbezogen wurden, die 2023 Beratung wegen Verschuldung suchten. Fast jeder Dritte von ihnen ist bei Online- oder Versandhändlern verschuldet, wie das Statistische Bundesamt mitteilt. Die Tendenz ist steigend.
Durchschnittlich schuldet ein Betroffener Onlinehändlern 650 Euro. Frauen verschulden sich eher durch Einkaufen im Internet als Männer. Während 37 Prozent der beratenen Frauen Hilfe suchten wegen einer Verschuldung im Onlinehandel, beläuft sich der Anteil bei Männern nur auf 23 Prozent. Auch die durchschnittliche Schuldenlast durch Onlineeinkäufe liegt bei Frauen mit 847 Euro weit höher als bei Männern mit 477 Euro.
Wie kommt es, dass Onlineshopping immer öfter in die Verschuldung führt? Marco Rauter von der AWO Schuldner- und Insolvenzberatung Berlin Kreisverband Südost e. V. hat darauf eine klare Antwort: Bezahlen ist heute ganz einfach und geht ganz schnell. Durch das Konzept „Kaufe jetzt, bezahle später“ drohe die Gefahr, den Überblick über Zahlungsforderungen zu verlieren. Zahlungsanbieter wie Klarna treten für Käufer in Vorkasse und geben dann häufig monatelang Zeit, die offenen Beträge in Raten zu bezahlen. Der Verkäufer ist abgesichert, da Klarna den Kauf abwickelt. Kann nicht gezahlt werden, folgt auf Mahnungen und Säumnisgebühren irgendwann die Benachrichtigung eines Inkassounternehmens – oder eher: viele Benachrichtigungen, denn die einzelnen Forderungen und Mahnungen werden nicht zusammengefasst. „Sie sollen den Überblick verlieren“, sagt Rauter. „Anders kann ich mir das nicht erklären.“
Insbesondere junge Menschen betroffen
Käufer können durch Anbieter wie Klarna mit Geld einkaufen, das sie nicht haben. Es sei auffällig, dass die Möglichkeit zum sofortigen Zahlen immer schlechter auf den Websites zu finden sei, beobachtet Rauter. Hinzu komme, dass beim Onlineshopping zwischen Kaufentscheidung und Kauf kaum mehr Zeit vergehe, in der ein Kauf überdacht werden kann. „Ein Klick, und dann ist es passiert.“
Von diesem Problem ist fast jede Altersgruppe betroffen. Es sind laut den Ergebnissen der Überschuldungsstatistik 2023 aber vor allem junge Menschen im Alter zwischen 20 und 34 Jahren, die ihre offenen Rechnungen bei Onlinehändlern nicht mehr begleichen können. Rauter hält es für problematisch, dass junge Menschen kaum noch mit Bargeld hantieren, viel online einkaufen und so nur schwer ein Gefühl für ihre Ausgaben entwickeln können.
Für die Zukunft sieht Rauter die „fehlende Finanzkompetenz“ besonders kritisch. „Wenn wir irgendwann mal kein Bargeld mehr haben sollten, muss auch Sorge dafür getragen werden, dass jeder das bargeldlose Zahlen erlernt“, mahnt er. Gerade für junge Menschen sei eine Ratenzahlung besonders attraktiv.
Bestätigung nach 24 Stunden als Lösung?
Klarna reagiert auf die Kritik. „Jeder Zahlungsverzug ist ein Misserfolg für uns“, schreibt das 2005 gegründete Unternehmen auf seiner Website. Man habe selbst kein Interesse daran, Kredite an Personen zu vergeben, die sich diese nicht leisten können: „Das wirkt sich negativ auf unser Geschäft aus.“ Nach eigenen Angaben fördert der schwedische Zahlungsanbieter pünktliche Zahlungen und überprüft die Bonität jedes Käufers.
Das bedeutet jedoch keine Prüfung der Rückzahlungsfähigkeit. Johannes Müller, Referent im Team Finanzmarkt des Verbraucherzentrale Bundesverbandes, sagt: „Die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie muss bis November 2025 in deutsches Recht umgesetzt werden. Die jetzige oder künftige Bundesregierung hat die Chance, insbesondere junge Menschen besser vor einer Überschuldung zu schützen.“
Dabei sollte laut Müller dringend sichergestellt werden, dass Kreditgeber auch bei geringen Kreditsummen oder kurzen Laufzeiten die individuellen Ein- und Ausgaben prüfen, um einer Verschuldung vorzubeugen. Um Verbraucher darüber hinaus vor einer Verschuldung durch Onlinekäufe zu schützen, schlägt Rauter vor, die Schnelligkeit aus dem Onlineshopping herauszunehmen. Denkbar wäre etwa, dass eine Kaufentscheidung nach 24 Stunden noch einmal bestätigt werden muss – und erst dann zum Kauf wird.
#オンラインショッピングによる借金増加債務アドバイザーがKlarnaを批判