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2025-01-22 21:41:00
Am Mittwochnachmittag war es traurige Gewissheit: Unter den beiden Todesopfern des Messerangriffs in Aschaffenburg ist auch ein Kind. Nach Angaben des bayerischen Innenministers handelt es sich um einen zwei Jahre alten Jungen marokkanischer Abstammung.
Das andere Todesopfer ist demnach ein 41 Jahre alter Passant, der beim Versuch, den mutmaßlichen Täter aufzuhalten, getötet wurde. Der Tatverdächtige habe die Kinder gezielt mit einem Küchenmesser attackiert. Die drei Verletzten befanden sich am Abend außer Lebensgefahr.
Ein Mann hatte am Vormittag im Park Schöntal in Aschaffenburg mehrere Personen angegriffen. Um 11.47 Uhr ging bei der Polizei ein Notruf ein. Das Gelände des neun Hektar großen Parks, der im Innenstadtbereich liegt, wurde großräumig abgesperrt, die Polizei war mit zahlreichen Kräften vor Ort und begann, erste Zeugen zu vernehmen und Spuren zu sichern.
Da offenbar schon vor der Tat Polizeistreifen in der Nähe waren, konnte der flüchtige Täter um 11.59 Uhr auf dem nahe gelegenen Bahngelände gefasst werden. Drei weitere Menschen, ein zweijähriges syrisches Mädchen, ein 72-jähriger deutscher Mann und eine 59-jährige deutsche Erzieherin, sind bei dem Angriff zum Teil schwer verletzt worden. Sie befanden sich am Abend nach Angaben der Polizei außer Lebensgefahr.
Schon dreimal wegen Gewalttaten aufgefallen
Bei dem Tatverdächtigen handelt es sich um einen 28 Jahre alten Afghanen. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) erklärte am Mittwochabend, der Afghane sei schon mindestens dreimal wegen Gewalttaten aufgefallen, in psychiatrischer Behandlung gewesen und habe vor rund anderthalb Monaten seine freiwillige Ausreise schriftlich angekündigt. Sein Asylverfahren sei daraufhin eingestellt und er zur Ausreise aufgefordert worden.
Der Mann soll im November 2022 nach Deutschland eingereist sein. Eine erste Durchsuchung der Asylunterkunft, in der der Tatverdächtige zuletzt gewohnt habe, habe keine Hinweise auf eine radikal-islamistische Gesinnung gebracht, erklärte der Innenminister. Vielmehr seien Medikamente gefunden worden, die zu seinen psychiatrischen Behandlungen passten. In den nächsten Tagen werde weiter sorgfältig ermittelt und aufgeklärt.
Laut Informationen der Deutschen Presse-Agentur war der Tatverdächtige zuletzt in einer Asylunterkunft in der Region gemeldet. Er sei „im Schwitzkasten“ abgeführt worden, sagte eine Zeugin laut „Main-Echo“. Der Mann war zu dem Bahnhof gelaufen, der etwa 500 Meter Luftlinie entfernt ist, wie ein Sprecher der Polizei sagte. Der Zugverkehr am Bahnhof wurde daher vorübergehend eingestellt.
Gruppe aus Aschaffenburger Kinderkrippe angegriffen
Das „Main-Echo“ teilt zum möglichen Tathergang Folgendes mit: Demnach sollen Erzieherinnen einer Aschaffenburger Kinderkrippe mit fünf Kleinkindern in dem Park gewesen sein. Der Angreifer sei dieser Gruppe gefolgt. Da die Erzieherinnen das bemerkten, hätten sie den Park verlassen wollen – dabei habe der Mann die Gruppe dann mit einem Messer angegriffen. Eine Erzieherin erlitt Verletzungen und wurde in ein Krankenhaus gebracht, eine weitere wurde psychologisch betreut. Die anderen Kinder wurden von ihren Eltern abgeholt, sie werden psychologisch betreut.
Bundeskanzler Olaf Scholz hat am Mittwochabend die Chefs des Verfassungsschutzes, des Bundeskriminalamts und der Bundespolizei ins Kanzleramt beordert. „Nach der furchtbaren Tat in Aschaffenburg habe ich mich heute Abend direkt nach meiner Rückkehr aus Paris mit den Chefs der Sicherheitsbehörden und Bundesinnenministerin Faeser getroffen. Wir werden diesen Fall schnell aufklären und die nötigen Konsequenzen ziehen. Jetzt.”, schrieb Scholz auf X
Zuvor hatte Scholz den Opfern und ihren Angehörigen gegenüber sein Mitgefühl ausgedrückt und von einer „unfassbaren Terror-Tat“ gesprochen. Mit Blick auf den Aufenthaltsstatus des Tatverdächtigen sagte er: „Ich bin es leid, wenn sich alle paar Wochen solche Gewalttaten bei uns zutragen. Von Tätern, die eigentlich zu uns gekommen sind, um hier Schutz zu finden. Da ist falsch verstandene Toleranz völlig unangebracht. Die Behörden müssen mit Hochdruck aufklären, warum der Attentäter überhaupt noch in Deutschland war. Aus den gewonnenen Erkenntnissen müssen sofort Konsequenzen folgen – es reicht nicht zu reden.”
Merz fordert klare politische Antworten
Am Mittwochnachmittag hatte sich Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) auf den Weg nach Aschaffenburg gemacht. Auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (ebenfalls CSU) äußerte sich: „Heute ist ein entsetzlicher Tag für ganz Bayern“, erklärte er und sprach von einer „feigen und niederträchtigen Tat“, deren Umstände restlos aufgeklärt werden müssten. „Doch jetzt ist die Zeit des Innehaltens“, erklärte Söder. „Wir beten für die Opfer und ihre Angehörigen. Wir hoffen auf rasche und vollständige Genesung aller Verletzten.“ Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) zeigte sich „zutiefst erschüttert“ über die „furchtbare Gewalttat“. Sie sprach den Hinterbliebenen ihr „tiefes Mitgefühl“ aus.
CDU-Chef Friedrich Merz forderte nach der Gewalttat von Aschaffenburg „politische, klare Antworten“. „Wir werden darüber sprechen müssen, sobald die Umstände dieser schrecklichen Tat aufgeklärt sind“, sagte der Kanzlerkandidat der Union beim Jahresempfang der Wirtschaft in Mainz.
BSW-Chefin Sahra Wagenknecht nahm den tödlichen Messerangriff von Aschaffenburg zum Anlass, erneut einen Kurswechsel in der Flüchtlingspolitik anzusprechen. „Dass nach Mannheim und Solingen nichts passiert ist, ist in erster Linie das Versagen des Kanzlers und seiner Innenministerin“, sagte Wagenknecht dem Magazin „Politico“.
Kein zweiter Tatverdächtiger
Zunächst hatte die Polizei Unterfranken am Vormittag auf der Plattform X von „zwei möglichen Tatverdächtigen“ gesprochen, die festgenommen worden seien. Später stellte sie richtig: Ein Tatverdächtiger wurde festgenommen, bei der anderen Person handelte es sich um einen Zeugen, der wieder freigelassen wurde.
Der Park Schöntal, ein Landschaftspark, ist nach Angaben der Polizei kein „Hotspot für Gewaltkriminalität“. Es sind jedoch dort auch regelmäßig Streifen unterwegs, vermutlich auch deshalb konnte der Tatverdächtige so schnell gefasst werden. Nach Medienberichten kam es in dem Park schon öfter zu Raub- und Körperverletzungsdelikten. Im vergangenen November hatte die Polizei den Park in Teilen als „gefährlichen Ort“ eingestuft. Nach Medienberichten hatte Polizeichef Frank Eckhardt hervorgehoben, dass es sich vor allem um Betäubungsmitteldelikte und um Raub sowie Körperverletzung innerhalb des Rauschgiftmilieus handele.
#アシャッフェンブルクでナイフ襲撃で2人死亡 #28歳逮捕