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2024-08-27 16:52:32
Honigbienen ernähren sich recht einseitig. Fast ausschließlich nehmen sie nämlich Pollen und Nektar zu sich, die zu sechzig Prozent aus reinem Zucker bestehen. Da können sich Süßigkeitenverächter eigentlich nur wundern. Erstens: Warum die fleißigen Tierchen nicht mangels ausgewogener Ernährung ausgelaugt vom Himmel fallen oder beim Tanzen im Stock einknicken; und zweitens: Wieso diese Zuckersüchtigen in drei Teufels Namen kein Diabetes kriegen?
Die Fruchtfliege, auch eine manische Obstverkösterin, genießt dieses Privileg nicht. Sie kennt, wie wir, die gefährlichen Irrungen des süßen Überkonsums, nur dass uns Fruchtfliegen mit metabolischem Syndrom nicht weiter kümmern. Bei den Honigbienen ist das anders. Wer die immerzu beschäftigten Tierchen schon mal mit Zuckerwasser gefüttert hat, weiß, wie schnell man bei Sechsbeinern neue Freunde gewinnen kann. Den Zuckerkollaps müssen sie nicht fürchten.
Was allerdings in ihren zufriedenen Gesichtern und hinter den hundegleich wedelnden Antennen nicht abzulesen ist: Das süße Geheimnis ihrer Diabetesresilienz verdanken die Bienen nicht etwa einer seltenen genetischen Laune der Natur. Vielmehr arbeiten sie systematisch mit Probiotika. Wir erinnern uns: Das sind die Bakterienkulturen, die uns den Darm aufräumen – und die nebenbei vom Verdauungstrakt aus die Psyche und das Immunsystem gesund erhalten. Im Fall der Honigbienen lösen Milchsäurebakterien aus der Gattung Lactobacillus das Zuckerparadoxon auf. Sie sind offenbar die heimlichen Herrscher der Darmflora.
Milchsäurebakterien? Sind das nicht die „Milch-Stäbchen“, wie sie manchmal liebevoll genannt werden, die uns vor ein paar Tausend Jahren die Milchverträglichkeit beschert haben und auch im Kefir, Käse und Joghurt allerlei Gutes bewirken? So ist es wohl. Im Bienendarm bilden die Laktobazillen Succinate und bringen den Insulinstoffwechsel in Gang, das zeigen die jüngsten Experimente an der Pekinger Landwirtschaftsuniversität, nachzulesen im Fachjournal „PNAS“ der amerikanischen Akademie der Wissenschaften.
An dieser Stelle darf daran erinnert werden, dass die Milch-Stäbchen vor sechs Jahren sogar von deutschen Naturschutzverbänden als „Mikrobe des Jahres“ gefeiert wurden. Jetzt ahnen wir, warum. Kulturgeschichtlich hat die Honigbiene damit jedenfalls dem Menschen einiges voraus: Die Zuckersucht hat sie probiotisch längst im Griff.
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