日本語版
最新ニュース
科学&テクノロジー

ミュンヘン映画祭でのマイケル・アルテンのVHSアーカイブ

Das ist doch eine Sensation“, sagt der Regisseur Dominik Graf und weist hinter sich. Da tut sich eine Altarszenerie mit kleinen Seitenflügeln auf: 3200 Videokassetten mit 5500 Filmen in schwarzen Billy-Regalwänden, die der Filmkritiker Michael Althen gesammelt hatte.…

ミュンヘン映画祭でのマイケル・アルテンのVHSアーカイブ

1720278176
2024-07-06 14:32:38

Das ist doch eine Sensation“, sagt der Regisseur Dominik Graf und weist hinter sich. Da tut sich eine Altarszenerie mit kleinen Seitenflügeln auf: 3200 Videokassetten mit 5500 Filmen in schwarzen Billy-Regalwänden, die der Filmkritiker Michael Althen gesammelt hatte. „Das ist Kunst, eine Installation“, sagt Graf.

Als solche war diese Performance-Schau im Rahmen des Münchner Filmfests im Pavillon 333 auch angekündigt, unter dem Titel „Was muss bleiben“. Der F.A.Z.- und frühere SZ-Kritiker Michael Althen ist inzwischen 13 Jahre tot, die Kassetten verstaubten im Keller, seine Witwe brauchte den Stellplatz. Da entschloss sich sein Sohn Artur, der an der Münchner Filmhochschule (HFF) Regie studiert, gemeinsam mit seiner Kommilitonin Sophie Mühe, einen Zwischenschritt einzulegen – der Entsorgung noch einen Moment des Innehaltens, des Nachdenkens und der Feier der Sammelleidenschaft entgegenzusetzen.

Glück des Heimkinos?

In dem kleinen Plexiglasquader liefen während des Filmfests, das am Sonntag zu Ende geht, von 12 bis 19 Uhr auf sieben alten Röhrenfernsehern Ausschnitte aus der Sammlung. Jeweils um 15 Uhr wurde ein spezieller Film gezeigt, begleitet von Texten von Althen und Autoren der HFF-Zeitschrift „Revü – Flugblatt für Film“ zum jeweiligen Werk, gelesen von Schauspielern wie Mavie Hörbiger, Liliane Amuat, Johannes Nussbaum oder Thomas Hauser.

Am Dienstag moderierte Artur Althen zudem ein Gespräch mit der Kritikerin und Kinomacherin Doris Kuhn (Werkstattkino) und Dominik Graf, die beide seinem Vater auch freundschaftlich verbunden waren, zum Thema Sammeln und Erinnerungskultur. Während Graf in dem überfüllten Saal auch erst mal an „das glückhafte Erleben“ erinnerte, Filme jederzeit zu Hause anschauen zu können, hielt Kuhn in realistischer Ernüchterung dagegen, dass meistens doch das Paradox dominiere: Man müsse alles besitzen, aber sobald man es habe, stehe es im Regal – „die Filme hab ich dann mit Sicherheit nicht mehr geguckt.“

Der Traum von Ordnung und Vollständigkeit

Michael Althen hat selbst oft über das Sammeln reflektiert, die Texte durchziehen seine eigene Passion und zugleich die Skepsis gegenüber dieser zeit-, geld- und platzaufwendigen Aktivität, dieser ständigen Versuchung wider besseren Wissens. Anna Maria Mühe las hierzu eine Rezension von 1997 vor, die das wunderbar demonstriert. Hinter dem Sammeln, so Althen, stünden der „Wunsch, erkannt zu werden“, und „das Bedürfnis, dem Leben eine Ordnung zu verleihen, die es sonst nicht hat“. Aber er kennt natürlich auch die ungesunde Gier: „Alles Sammeln drängt danach, die Welt zu verschlingen“, schreibt er, „der Traum eines jeden Sammlers ist die Vollständigkeit – aber sie ist auch sein Albtraum.“ Deshalb liege eine große Melancholie über dieser Sammelwut. Althen sieht bereits „das Grauen der totalen Verfügbarkeit“ in der digitalen Zukunft aufziehen und schließt: „Auch dieser Text wird nach Lektüre auf einen Speicherplatz schrumpfen, wo er bis zum Ende der Welt schläft und von Lesern träumt.“

Nun ist er ein wenig aus dem Vergessen erweckt und vom Publikum gefeiert worden. Das „Phantom in den Arsenalen der Erinnerung“, so Althen, wurde für den Moment wieder sehr präsent. Wie natürlich das gesamte Phänomen Sammeln, dem wir Cinephile (selbst hatten wir keinen Begriff dafür) erlegen waren. Ende der Siebzigerjahre fingen wir an, systematisch Filme zu sammeln – im Kopf und im Herzen. Bei der Erinnerung und Einordnung halfen dann die Filmliteratur, Bücher, Zeitschriften, Fanzines, die gesammelt wurden. Als dann Mitte der Achtziger VHS-Leerkassetten zu einem erschwinglichen Preis auf den Markt kamen, war das die totale Verheißung. Der Anfang vom Traum eines Heimkinos – und der Auslöser für einen bisher nicht gekannten Kick, für ein neues Level der Sammelwut.

Der Beginn einer neuen Ära

Mit der Jahrtausendwende kam der nächste Paradigmenwechsel. Die DVD hielt Einzug und machte die VHS obsolet. Der Qualitätsunterschied war einfach unübersehbar. Mittlerweile sind wir längst in der nächsten Ära angekommen, im Streamingzeitalter, in dem die meisten Filme im Netz abrufbar sind. Die VHS-Kassetten, die wir mühevoll Abend für Abend mit Filmen von ARD, ZDF, den dritten Programmen und später auch 3Sat und Arte bespielten (Filme auf Privatsendern waren schwierig wegen der Werbepausen), haben heute materiell keinerlei Wert mehr (größere Mengen sollten übrigens auf den Wertstoffhof), und den DVDs droht mittlerweile dasselbe Schicksal.

Was bleibt, das ist der immaterielle Wert, der natürlich sehr individuell ausfällt; der Kitzel, der intellektuelle Jagdinstinkt; der Punkt, wo es zur Sucht ausartet, an dem man den Absprung schafft oder alles nur unter anderen Vorzeichen neu beginnt; der nostalgische Spaß daran, die Sehnsucht nach einer jugendlichen Unbekümmertheit und Gier, aber vielleicht auch das Schmunzeln über die eigenen Verirrungen. Auf jeden Fall bleibt aber die Liebe zum Film.

Und es bleibt auch Michael Althens Video-Archiv. Es haben sich mehrere Interessenten gemeldet, die es übernehmen wollen.

#ミュンヘン映画祭でのマイケルアルテンのVHSアーカイブ

執筆者について: nipponese

Nipponese News編集部は、国内外のニュースを日本語で分かりやすくお届けします。