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2024-05-28 13:12:55

Vor fünf Jahren tauchten auf den Straßen Teherans mysteriöse Poster mit dem Slogan „Modschtaba, wir folgen dir“ auf. Sie wurden als Hinweis gewertet, dass manche Kräfte in Iran den zweitältesten Sohn des Obersten Führers Ali Khamenei als dessen potentiellen Nachfolger ins Spiel bringen wollten. Genährt wurden die Spekulationen durch Aussagen aus dem Umfeld einflussreicher Politiker, etwa des Parlamentssprechers Mohammad Bagher Ghalibaf. Und durch Verlautbarungen, in denen Modschtaba Khamenei der Titel eines Ajatollahs angedichtet wurde – ein religiöser Rang, den er noch nicht erreicht hat. Seit dem Tod des iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi, dem ebenfalls Chancen auf den Posten des Obersten Führers nachgesagt wurden, richten sich nun wieder viele Blicke auf den 55 Jahre alten Modschtaba Khamenei.

Weder er noch sein Vater haben sich je dazu geäußert. Einflussreichen Klerikern in Ghom wird nachgesagt, dass sie strikt gegen eine solche Erbfolge seien, weil sie dem Anspruch der Islamischen Revolution, die Erbdynastien gestürzt zu haben, widerspricht. Mitglieder des Expertenrats, der offiziell für die Ernennung eines Nachfolgers zuständig ist, haben mehrfach geäußert, Ali Khamenei sei dagegen, dass eines seiner Kinder eine Führungsrolle übernehme.

Das scheint sein Sohn allerdings längst zu tun. „Der Oberste Führer hat Teile seiner Führungsaufgaben an Modschtaba Khamenei delegiert“, teilte das amerikanische Finanzministerium schon 2019 als Begründung dafür mit, dass er auf eine Sanktionsliste gesetzt wurde. Er vertrete den Obersten Führer, „obwohl er jenseits seiner Arbeit im Büro seines Vaters weder gewählt noch zu einer Regierungsposition ernannt wurde“. Khamenei junior arbeite eng mit der Revolutionsgarde und deren Freiwilligenorganisation Basidsch zusammen, schrieb das Finanzministerium.

Hassfigur während der Proteste von 2009

Einer seiner engsten Vertrauten soll Hossein Taib sein, der den Geheimdienst der Revolutionsgarde bis 2022 führte. Ihn soll Modschtaba Khamenei schon seit den Achtzigerjahren kennen, als er selbst im Alter von 17 Jahren kurzzeitig der Revolutionsgarde beitrat. Seine Gegner behaupten, dass er 2009 gemeinsam mit Taib an den Planungen zur Niederschlagung der „Grünen Bewegung“ beteiligt gewesen sei. Die Protestbewegung hatte sich an der manipulierten Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadineschad entzündet. Führende Politiker der „Grünen Bewegung“ beschwerten sich, dass Modschtaba Khamenei sich sowohl 2005 als auch 2009 zugunsten Ahmadineschads in die Präsidentenwahl eingemischt habe. Das machte ihn während der Proteste von 2009 zu einer Hassfigur.

Der frühere Chef der iranischen Rundfunkanstalt Mohammad Sarafraz sagte Modschtaba Khamenei 2022 Ambitionen auf den Posten des Obersten Führers nach. Er behauptete, der Sohn gehöre einem fünfköpfigen Gremium an, das für politisch besonders sensible Fragen zuständig sei. Viel ist nicht über ihn bekannt, weil er sich aus der Öffentlichkeit fernhält.

Mahnendes Beispiel für Modschtaba Khamenei

Das Büro des Obersten Führers, aus dem heraus er agiert, ist neben der Revolutionsgarde das wichtigste Machtzentrum des Landes mit mehr als 4000 Mitarbeitern. Es hat eigene Gremien zur Aufsicht über die Regierung, das Militär, die Geheimdienste und die Staatswirtschaft. Auf allen staatlichen Ebenen verfügt Ali Khamenei über eigene Repräsentanten. Der Sohn soll vor allem Einfluss auf die Geheimdienste, den Propagandaapparat und die Autorisierung der Freitagspredigten haben. Die Diskussion um Modschtaba Khamenei erinnert an die Rolle, die Ahmad Khomeini Ende der Achtzigerjahre kurz vor dem Tod seines Vaters und ersten Revolutionsführers Ruhollah Khomeini spielte. Auch er kontrollierte den Zugang zu seinem Vater und übersah dessen Amtsgeschäfte. Sein Einfluss wuchs, je greiser Ruhollah Khomeini wurde.

Der ursprünglich vorgesehene Nachfolger, der Großajatollah Hussein-Ali Montazeri, warf dem Sohn später vor, er habe ihn entmachten lassen und den greisen Vater manipuliert. Auch Ahmad Khomeini wurden Ambitionen auf die Nachfolge seines Vaters nachgesagt. Ruhollah Khomeini starb jedoch zu früh, als dass er dafür eine ausreichende Basis hätte aufbauen können. Als der jetzige Oberste Führer Ali Khamenei 1989 die Macht übernahm, begann er damit, den Sohn Khomeinis ins politische Abseits zu drängen. Dies dürfte Modschtaba Khamenei als mahnendes Beispiel vor Augen stehen.

Neben ihm wird noch der einflussreiche Kleriker Alireza Arafi als möglicher Nachfolger genannt. Es gibt aber auch Beobachter, die glauben, dass solche Namen verbreitet werden, um die Aufmerksamkeit vorerst von den tatsächlich für die Nachfolge vorgesehenen Kandidaten abzulenken.

#最高指導者アリハメネイ師の後継者は誰になるのか

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